da hilft auch der unverhoffte Gewinn der Basketball-Weltmeisterschaft nicht: Die Fußball-Nationalmannschaft versinnbildlicht mit ihren Niederlagen die ganze Misere der deutschen Gegenwart. Nun ist Hansi Flick als Bundestrainer Vergangenheit. Doch nach Ansicht von Sportreporter Waldemar „Waldi“ Hartmann ist für die desaströse Lage nicht nur der Trainer verantwortlich. Für die Spieler, er nennt sie treffend „kurzhosige Millionäre“, habe die Nationalmannschafteinfach keine Priorität mehr. Fußball sei das „Theater des kleinen Mannes“, soll Sepp Herberger gesagt haben. Vielleicht ist er manchmal aber auch ein Spiegelbild der großen Politik. Man soll es mit solchen Analogien natürlich nicht übertreiben, aber zumindest in der medialen Selbstdarstellung scheinen sich der frisch geschasste Bundestrainer Hansi Flick und der weiter regierende Kanzler Olaf Scholz zu ähneln. „Ja, ich bin noch der Richtige. Ich finde, wir machen es gut.“ Flicks Aussage nach dem 1:4-Desaster gegen Japan könnte sicher auch aus dem Munde des Kanzlers im Rezessionsjahr 2023 kommen. Der Kanzler steht, so Hugo Müller-Vogg, jedenfalls da wie der Bundestrainer nach dem Japan-Spiel. Doch während Flick sichtlich niedergeschlagen um Worte rang, gibt Scholz unverdrossen den Gute-Laune-Bär. Seine steile These in der Haushaltsdebatte im Bundestag war bezeichnend: „Wir kommen voran bei der Aufgabe, unser Land so aufzustellen, dass unsere besten Tage nicht hinter uns liegen, sondern vor uns.“ Zweifel an diesem Vorankommen äußert der Ökonom Thomas Mayer. Er formuliert es in Worten, die auch in einer Kabinen-Ansprache beim Fußballspiel verstanden würden: „Die Hütte brennt!“ Sein Vorwurf richtet sich an Vize-Kanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck, der findet, dass man doch nicht immer alles so schlecht reden solle. An allem schuld sei übrigens, so Mayer, nicht nur die aktuelle Ampel-Regierung. Der Merkel’sche links-grüne Drall in der Wirtschaftspolitik legte den Niedergang der deutschen Wirtschaft an. Erst jetzt aber werden sich die Deutschen dessen schlagartig bewusst. Gegen die sich abzeichnende Katastrophe sei kreative Panik angebracht. Mein Kollege Ben Krischke hat sich die Talk-Runde bei Anne Will angeschaut. Eigentlich ist die Diskussion um die Flugblatt-Affäre längst an ihrem Ende angekommen. Doch bei Anne Will dreht man sich gerne weiterhin im Kreis mit noch mehr Slogans in einer an Slogans nicht gerade armen Debatte. Die Moralisierungsrepublik des Medienbetriebs kann eben einfach nicht loslassen. Ihr Ferdinand Knauß, Redakteur |