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Soeben erschienen:


DIE GAZETTE
34
Sommer 2012


mit dem Themenschwerpunkt:


Frauen


Editorial


Vor einiger Zeit, auf einem Empfang für Wirtschaftsführer, wurde ich dem Eigentümer einer transnationalen („Berlin, Moskau, Peking“) Anwaltskanzlei vorgestellt. Im Smalltalk kamen wir zu der Frage, warum es in Unternehmen so wenig Frauen in Leitungspositionen gebe. Mein Gegenüber gab zu, dass Frauen viele Qualitäten haben, aber für ganz, ganz oben „Da fehlt ihnen einfach das“ – er hob den abgewinkelten rechten Ellbogen auf Brusthöhe und stieß ihn ein-, zweimal blitzschnell nach außen. Ich hatte Angst, der Lachs fällt ihm vom Partybrötchen. Die Männer neben ihm lächelten und hoben, als wollten sie darauf anstoßen, ihre Sektgläser.
Ich hatte plötzlich den klaren Eindruck, es gebe gar keine „gläserne Decke“, die Frauen den Aufstieg in die höheren Etagen eines Unternehmens verbaut. Es ist vielmehr ein seltener als hier ausgesprochener Glaube, der sie daran hindert, der männliche Glaube an Dominanz und Überwältigung, an Gewalt als Dynamik und Lebensform.
Das Erstaunliche ist, dass wir alle uns daran gewöhnt haben. Da ist zum Beispiel ein womöglicher SPD-Kanzlerkandidat, der mit dem verkniffenen Mund; seine erbarmungslos entschlossene Suada stiefelt über jeden Kontra­hen­ten hinweg. Da ist eine Kanzlerin, die alle Widersprüche mit dem letztinstanzlichen Urteil „alternativlos“ vom Tisch fegt. Da ist im Wirtschaftsleben der angeblich lebensnotwendige „Wettbewerb“, in dem dann auch mal Unternehmen mit Tausenden von Arbeitsplätzen vernichtet werden. Das sei, sollen wir denken, eine „schöpferische Zerstörung“, eben notwendig in einer freien Marktwirtschaft (nur für die Banken scheint das nicht zu gelten; die retten wir mit Geld aus der Zukunft). Ganz unschöpferisch zerstört werden gleichzeitig der Planet und das Klima. Aber da wir ja dauernd nach vorne schauen müssen, geht es uns offenbar nichts an, was auf unseren Reisen h!
inter uns an CO2 ausgestoßen wird. Wir sperren Bootsflüchtlinge in Lager auf Lampedusa, bevor wir sie in die Wüste
zurückschicken. Wir lassen in Afrika Rohstoffkriege führen, die wir dann zu
unserer Entlastung als „ethnische Konflikte“ bezeichnen. Wir töten aus Drohnen Hochzeitsgäste in Afghanistan (es könnte ja ein Terrorist unter ihnen sein). Das alles ist normal, Alltag und fast nie eine Nachricht.
Nur wenn die Gewalt mal richtig dick kommt (sa­gen wir: Kinder erschießen Kinder in Schulen), dann halten wir feierliche Schweigeminuten, aber die Aufbewahrung von „Sportwaffen“ im Wohnzimmer verbieten wir nicht.


Friedrich Schiller (eine gewisse Kenntnis klassischer Dichtung schadet auch hier nicht) hat es in Würde der Frauen beschrieben: „Feindlich“ nennt er „des Mannes Streben“, die „zermalmende Gewalt“: „Was er schuf, zerstört er wieder“, und in seinem „Herrschgebiete“ gelte immer nur das Recht des Stärkeren. Dass die Frauen („Sie flechten und weben / Himmlische Rosen ins irdische Leben“) an den schrecklichen Män­ner-Zuständen etwas ändern würden, hat der Dichter selbst nicht erwartet.
Die Forderung also, eine menschenfreundliche Welt zu schaffen, sollte sich also, himmlische Rosen hin oder her, vielleicht gar nicht an die Frauen richten. Ganz im Gegenteil: Andere Männer braucht das Land. Oder knapper: Die Frauen­frage ist eine Männerfrage (Susan Moller Okin).
Fritz Glunk


Das vollständige Inhaltsverzeichnis finden Sie hier.




 


 


 
     



 
 
 

 


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