Sehr geehrte Damen und Herren Das Nuklearforum ist mit dem Raiffeisen Forum eine Veranstaltungspartnerschaft eingegangen. Der erste gemeinsam organisierte Anlass stand unter dem Titel «Klimapolitik und Versorgungssicherheit – die Jugend debattiert» und fand online statt. Das Webinar umfasste ein Inputreferat über die Möglichkeiten der Jugend zur politischen Partizipation und eine Podiumsdiskussion zu Klimapolitik und Versorgungssicherheit mit Jungpolitikerinnen und -Politikern sowie einem Doktoranden der ETH Zürich. Sie können die Aufzeichnung des Referats und der angeregten Debatte auf unserem Youtube-Kanal anschauen. Klimapolitik und Versorgungssicherheit beschäftigen uns auch weiter unten wieder, sowie die EU-Taxonomie und Frankreichs Energiepolitik. Freundliche Grüsse, Nuklearforum Schweiz Kernenergie in der Nachhaltigkeitsdebatte Wir starten diese Ausgabe mit einem TV-Bericht, der uns und viele Kernenergiefreunde in Deutschland gefreut hat. Die Wissenschaftssendung «Quarks» des Westdeutschen Rundfunks ging der Frage «Sollten wir zur Atomkraft zurück?» erstaunlich sachlich und unaufgeregt nach. Das gilt auch für die Berichte von James Conca, die allerdings schon immer klar kernenergiefreundlich waren. Sein jüngster Beitrag bei «Forbes» ist ein Loblied auf die Sicherheit und Zuverlässigkeit der KKW in den USA. Die «Sustainability Times» setzt sich mit der Abfallfrage und verschiedenen technologischen Lösungsansätzen auseinander. Mit gesellschaftlichen Fragen befasst sich der Bericht des Breakthrough Institutes über eine «sozial nachhaltige Zukunft der Kernenergie in Wachstumsmärkten». Dazu gibt es ein Fact Sheet und den 70seitigen Bericht mit Fallstudien zu acht Ländern. «Kernenergie spielt eine entscheidende Rolle bei der Dekarbonisierung, bei der Beseitigung von Armut und Hunger, der Bereitstellung von sauberem Wasser, erschwinglicher Energie, wirtschaftlichem Wachstum und industrieller Innovation», findet die United Nations Economic Commission For Europe UNECE in ihrem Bericht über den Einsatz der Kernenergie für eine nachhaltige Entwicklung. «Die Vereinten Arabischen Emirate und Weissrussland sind letztes Jahr in die Kernenergie eingestiegen – wer kommt als nächstes?», fragt die Internationale Atomenergie-Organisation IAEO. Weissrusslands neues KKW beschäftigt auch den Nachbarstaat Litauen, der bei seiner Kritik an Kernenergieprogrammen anderer Länder differenzierter vorgeht als beispielsweise Österreich. Grün und nachhaltig mit Erdgas aber ohne Kernenergie? Für einmal scheinen sich Greenpeace und Kernenergiebefürworter einig: Die Regeln der EU für die Finanzierung grüner und nachhaltiger Energieformen sind in der vorliegenden Form nicht grün und nachhaltig. Während sich allerdings Greenpeace über den Miteinbezug fossiler Ressourcen beschwert, sind die Kernenergienutzer nicht einverstanden mit dem Ausschluss «ihrer» Technologie. Den gemeinsamen Brief von sieben europäischen Staatschefs and die EU-Spitze in dieser Sache findet man zum Beispiel auf der Website des polnischen Premierministers (PDF unten). Auf offiziellen Kanälen der französischen Regierung haben wir ihn nicht gefunden, aber französische Medien berichten über den Brief und das Thema im Allgemeinen. Aufgefallen ist uns auch, dass nicht alle kernenergienutzenden EU-Staaten den Brief mitunterzeichnet haben. So fehlt zum Beispiel Finnland. Dafür haben sich finnische Grüne (!) im gleichen Sinn geäussert. Auch der Generaldirektor von Foratom hat seine Meinung zur Rolle der Kernenergie in Europa unlängst kundgetan. Frankreich im Fokus Wir nehmen den oben erwähnten Brief mit der Unterschrift von Präsident Macron zum Anlass für einen genaueren Blick nach Frankreich. Bei der Definition von «Green Finance» mag man sich uneinig sein, aber bei der Entschädigung des KKW-Betreibers EDF für die Stilllegung von Fessenheim steht die EU der französischen Regierung nicht im Weg. Und im Kommentar der «Tribune» bezieht sich der Surrealismus nicht auf Brüssel als EU-Sitz, sondern auf die Energiepolitik des Staates Belgien. Neben Macron spricht sich unter anderem auch Hochkommissar François Bayrou dezidiert für die Kernenergie in Frankreich aus. Das er damit nicht alleine ist, suggerieren die Online-Umfragen des «Figaro», sowohl bezüglich Weiterverfolgung des französischen Kernenergieprogrammes als auch bei der Frage, ob die Kernenergie «neu lanciert» werden soll. Angesicht der Einschätzungen des französischen Stromnetzbetreibers RTE haben die Umfrageteilnehmenden scheinbar die Wichtigkeit der KKW für die Versorgungssicherheit erkannt. Wie unter anderem «Les Echos» berichtet, sieht RTE das Kriterium der Versorgungssicherheit für die nächsten drei Winter nicht erfüllt. Auch «20 Minutes» hält fest, dass die Netzbetreiber weitere KKW-Stilllegungen bis 2026 als problematisch erachtet. Musterschüler Grossbritannien? – Ja, aber… Wir bleiben vorerst beim Thema Versorgungssicherheit. Österreichs Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid erklärt in einem Youtube-Video, was am berühmt-berüchtigten 8. Januar 2021 im europäischen Stromnetz los war. «Real Clear Markets» erklärt am Beispiel von Texas, warum die Kernenergie eine «verlässliche Quelle, die erst noch Emissionen verringert» ist. Gut im Emissionen Verringern sind offenbar auch die Briten. Laut «Carbon Brief» hat das Königreich im Jahr 2020 sein Ziel der Netto-Null bis 2050 zur Hälfte erreicht. Das Resultat ist insofern zu relativieren, als dass die Corona-Pandemie zu einem erheblichen Rückgang des CO2-Austosses im vergangenen Jahr geführt hat, der zumindest teilweise wieder rückgängig gemacht werden dürfte. Angesichts der Stilllegung des letzten dortigen KKW bis 2025 macht man sich auch in Kalifornien Gedanken über die Stromversorgung. Am Standort eines bereits abgeschalteten KKW im Bundesstaat Iowa ist derweil eine Solarfarm geplant, die «bis zu 690 Megawatt Solarenergie produzieren soll» (sic). Apropos Solarenergie: Australische Solarpanelbesitzer müssen vielleicht bald für die Einspeisung ihres Stroms ins Netz bezahlen. Das lassen wir unkommentiert und verabschieden uns mit Bildern eines Schwertransports für das Fusionsprojekt Iter. |