Liebe Leserin, Lieber Leser, wir schreiben eine gute Nachricht vorweg: Union und SPD eint mehr, als sie trennt. Beide wollen Deutschlands Industriearbeitsplätze retten. Beide haben kein Interesse an irregulärer Migration. Beide wollen AfD-Wähler zurückgewinnen. Und beide sind erleichtert, ohne die Grünen regieren zu können. Nun die schlechte Nachricht: Wenn die handelnden Akteure sich nicht ganz flott aus ihren Gräben buddeln, die Ellenbogen einfahren und den Sound runterdrehen, dann scheitert Schwarz-Rot, bevor es angefangen hat. Als vertrauensbildende Maßnahme braucht es (mindestens) zweierlei: Eine SPD, die sich ihrer desaströsen 16,4 Prozent „Wählerauftrag“ bewusst ist. Und die, wenn schon nicht Demut, dann zumindest bescheidenen Realismus beweist. Sowie eine Union (mit suboptimalen 28,5 Prozent), die die sozialdemokratische Traumatherapie nicht behindert, indem sie herablassend Salz in die Wunden streut. Noch sieht es nicht danach aus. Sätze wie jüngst von Friedrich Merz, „die SPD steht einer Existenzkrise sehr, sehr nahe“ und „Ich habe als Demokrat kein Interesse daran, dass die SPD zerstört wird", sind nicht falsch, aber aus seinem Mund eben auch nicht hilfreich. Ebenso wenig, wie die 551 Punkte umfassende Kleine Anfrage der CDU/CSU zur Neutralität von NGOs wie Campact, Correctiv, Attac usw. Statt in der neuen Regierung zu verhindern, dass Gelder in falsche Hände gelangen, erregt die Union nun zur Unzeit die SPD-Gemüter. Deren Parteichef Lars Klingbeil wiederum kurbelt, trotz seines Wahlfiaskos, großspurig das Forderungswesen an: „Vorschläge, von denen ich öffentlich aus der Zeitung erfahre, die sind automatisch vom Tisch.“ – bei solchem Selbstbewusstsein könnte man meinen, hier spricht der nächste Bundeskanzler. |