von einem „Pakt mit dem Teufel“ spricht man bei einer Vereinbarung zwischen einer Person und Satan (oder einer dämonischen Entität), bei dem die Person normalerweise weltliche Macht, Reichtum, Wissen oder andere persönliche Vorteile erhält – im Austausch für ihre Seele oder einen anderen schwerwiegenden moralischen oder spirituellen Preis. Dass ein Pakt mit dem Teufel zu Steuersenkungen führt, ist hingegen ein sehr neues Konzept. So geschehen vor wenigen Tagen, im neunten Monat im Jahre des Herrn 2023, was wohl selbst Jesus von Nazareth nicht für möglich gehalten hätte – und der wird im Neuen Testament immerhin mit Exorzismen in Verbindung gebracht. Allerdings kannte Jesus von Nazareth weder die AfD noch Bodo Ramelow, der eine Abstimmung im Thüringer Landtag diese Woche als ebensolchen „Pakt mit dem Teufel“ bezeichnete. Dabei hat die CDU mit Stimmen der FDP und der AfD lediglich eine sehr sinnvolle Senkung der Grunderwerbssteuer in Thüringen durchgesetzt. Kein Wunder also, dass Cicero-Autor Mathias Brodkorb in seinem Text zum Thema nicht fordert, dass die zehn Plagen auf den CDU-Fraktionsvorsitzenden Mario Voigt hereinbrechen mögen, sondern sehr weltlich anmerkt: Wer keine eigene Mehrheit hat, muss eben der Opposition entgegenkommen. Mal abgesehen davon, ist es ohnehin überfällig, dass man sich in liberal-konservativen Kreisen nicht länger von den falschen Propheten aus dem linksgrünen Milieu vorschreiben lässt, was man zu tun und zu lassen hat. Denn Lügen ist bekanntermaßen eine Todsünde. Und gelogen ist es, wenn Sie mich fragen, auch, wenn man sich lauthals empört über vermeintliche Verstöße anderer, wenn diese Empörung primär opportunistisch, weil vom eigenen Wunsch nach Machterhalt geprägt ist. Anders formuliert: Dass die Brandmauer nun zerbröckelt, ist gut so, wie Cicero-Chefredakteur Alexander Marguier schreibt. Es geht nämlich nicht darum, der AfD nachzueifern, mit ihr ein Oppositionsbündnis einzugehen oder gar eine Regierung zu bilden. Sondern um Autorität. Es soll ja Leute geben – und ad hoc fallen mir mindestens vier solcher Menschen ein – für die der Fußball einen ähnlichen Stellenwert hat wie für andere die Religion. Mit dem Stürmerstar als „Fußballgott“ und dem Stadion als sein Tempel. Vielleicht ist er manchmal aber auch nur ein Spiegelbild der großen Politik, der Fußball. In der medialen Selbstdarstellung jedenfalls scheinen sich der frisch geschasste Bundestrainer Hansi Flick und der weiter regierende Kanzler Olaf Scholz in einem Grundverständnis zu ähneln, beobachtet Cicero-Autor Hugo Müller-Vogg: „Ja, ich bin noch der Richtige. Ich finde, wir machen es gut.“ Außerdem hat Alexandre Kintzinger mit der Moderatorenlegende Waldemar Hartmann zum Thema gesprochen. Im Interview erklärt er unter anderem, wer das Zeug zum Erlöser auf der DFB-Trainerbank hat. Apropos Religion: Der Journalist und „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber will sich nach Drohungen und Angriffen nicht mehr zum Thema Islam äußern. So verständlich das aus seiner Sicht ist, so sehr ist es auch Symptom einer sehr unschönen gesellschaftlichen Entwicklung: Man darf zwar offiziell alles sagen, kann aber im Falle des in der Regel unvermeidlichen Shitstorms kaum auf Rückendeckung durch Mitarbeiter, Vorgesetzte und Institutionen hoffen. Denn schlimmer als die Aktivisten der Cancel Culture ist die ausbleibende Solidarität für Schreiber aus Kollegenkreisen, meint Ingo Way. Und da wir schon bei Sündenfällen sind: Die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus und ein CDU-Bezirksstadtrat suchen die Nähe zu iranischen „Volksmudschahedin“. In der Partei sorgt das richtigerweise für Unmut. Nathan Giwerzew, ehemaliger Cicero-Praktikant und heute Redakteur der Berliner Zeitung, berichtet, wie eine exiliranische Politgruppe die Berliner CDU unterwandert. Ein wichtiger Beitrag, den wir gerne übernommen haben. Höchste Zeit also – und passend zum Sonntag –, dass wir ein bisschen Nächstenliebe üben. Auch gegenüber Menschen, deren politisch-gesellschaftliche Ansichten so grundverschieden sind zu unseren, dass es manchmal weh tut. Denn die Wahrheit ist: Man muss Menschen nicht hassen, weil sie anderer Meinung sind. Nein, man kann sogar sehr gut mit ihnen befreundet sein, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Deshalb habe ich ein knackiges Gespräch mit einer guten Freundin als Ausgangspunkt genommen für eine philosophische Betrachtung unserer Debattenkultur; für einen Text über das konstruktive Streiten. Gott zum Gruße. Ihr Ben Krischke, Leiter Digitales |